Paulo Freire Verlag - Oldenburg



Ronald Lutz (Hrsg.)

Befreiende Sozialarbeit

Skizzen einer Vision

ISBN 3-86585-409-5
354 S. - € 29,90

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Zum Inhalt
Inhalt
Lutz: Befreiende Sozialarbeit- Skizze einer Vision

1  EinBlicke
Zwicker-Pelzer: Befreiungspädagogik und Soziale Arbeit
Rehklau: Empowerment. Zauberwort oder Neubesinnung
Reutlinger: Räume von den Menschen her denken
Neue Herausforderungen für die Stadtgesellschaft

2  Partizipation und Gemeinwesen
Sinning: Bürgerbeteiligung im Kontext von Urban Governance und demographischen Wandel - neue Anforderungen und Strategien

Munsch: Bürgerschaftliches Engagement als Integrationschance oder als Reproduktion gesellschaftlicher Ausgrenzungsprozesse?
Kessl: Anerkannt und angepasst? Zur programmatischen Bestimmung der Gemeinwesenarbeit
Rund: Zwischen Befriedung und Befreiung
Elsen: Gemeinwesenökonomie – eine reale Utopie befreiender Sozialer Arbeit

3  Aufbrüche und Erweiterungen
Kiesel / Volz: Eigensinn und Allgemeinbildung Wagner: Ohne Angst verschieden sein
Dücker: Neue Erfahrungen aus der „Freiburger StrassenSchule“:
Wonneberger: Weiterbildung, Empowerment  und Weibliche Lebenslagen 
Hammer / Lutz: Sozialbindungsspielraum. Lebenslagen Alleinerziehender als Herausforderung für die  Sozialer Arbeit
Giese: Befreiung der Geschlechter in fünfzehn Schritten

4  AusBlicke
Schnurer: Globale Partnerschaft als allgemeinbildende Aufgabe Sobottka / Streck: Soziale Bewegungen in Brasilien. Als Bürger anerkannt werden, befreiende Praxis lernen und leben
Rout-Biel: Sozialarbeit in Afrika. Warum können importierte Konzepte keine Lösung für Afrika bringen?
Smith: Including cultural and religious rites and practices in emancipatory social work intervention


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Visionen der Befreiung

Gegen den Zeitgeist will dieses Buch neuen Optimismus verbreiten und eine alte Debatte beleben: Sozialarbeit wird verstanden als Reflex und Bestandteil einer sozialen Bewegung, die Menschen aus ihrer selbst verschuldeten Unmündigkeit befreien bzw. Hilfestellung gegen verordnete Unmündigkeit und Knechtschaft geben will. Dabei muss sie notwendigerweise vom Menschen ausgehen und ihn dazu ermächtigen Wesen seiner selbst zu werden. Hierzu ist es auch erforderlich, das private Labyrinth als Reflex und Abbild des sozialen Irrgartens zu sehen.

Befreiung heißt in der von mir entwickelten Perspektive, die nicht von den Autoren des Bandes notwendigerweise mit getragen werden muss, (die Gedanken sind frei, dieser Ausspruch der Aufklärung gilt heute erst recht!), zunächst nur Decodierung und Enträtselung der eigenen verdeckten Position in der Welt; darin aber liegt die Hoffnung, über ein besseres Verständnis der eigenen Lage diese auch sukzessive wieder in eigener Gestaltung zu entwickeln. Befreiung wird aber auch als Vision erkennbar, die in einer sich grundlegend verändernden Moderne neue Ansätze für sich formierende Kulturen der Resignation zu liefern verspricht, die jenseits von Bevormundung und Fürsorge liegen aber auch über „Aktivierungsmythen“ hinaus gehen.

Die Aufsätze des Bandes geben Einblicke, aus vielfältiger Perspektive, wie Decodierungen über vielfältige Formen, von der klassischen Gemeinwesenarbeit über Bildungsangebote bis hin zu Beteiligungsverfahren aussehen könnten. Dabei werden in einigen Äußerungen auch eher theoretische Ausblicke geliefert, die, so auf den Raum, der Sozialen Arbeit neue Wege ermöglichen. Sie alle sind aber an einer Praxis orientiert, die Menschen als Gestalter ihrer eigenen Welt wahrnimmt und genau dies auch befördern will. Das eint sie.

Dass wir auch tatsächlich vom Süden lernen können, zeigen mehrere Beiträge; wir erfahren, wie andere Kulturen mit der Idee der Befreiung umgehen und wie sie Menschen in ihren Verstrickungen wahrnehmen und mit ihnen an diesen arbeiten. Autonomie, Selbstachtung, Anerkennung und das Vertrauen auf menschliche Fähigkeiten müssen in einer befreienden Praxis in der (erschöpften) Moderne erst entwickelt werden. Hierin hat der Süden, so in der Befreiungspädagogik aber auch im Entdecken des Anderen fremder Kulturen, wie es der Beitrag aus Südafrika zeigt, einen offenkundigen Vorsprung, von dem wir lernen müssen.

Alle hier versammelten Wortmeldungen, die bei weitem nicht das mögliche Spektrum abdecken, sind Hinführungen zur Vision einer befreienden Praxis, wie ich sie hier erstmals skizziert habe. Ich danke allen Autorinnen und Autoren für ihre Beiträge, für ihre Geduld und ich hoffe auf eine vielfältige und anregende Diskussion.

Ich danke aber auch meinen Töchtern, Hannah Elisabeth und Kyra Emilia, die mir durch ihre Eigenständigkeit täglich zeigen, was Befreiung sein könnte: Sie leben Hoffnung und lehren mich Demut gegenüber den Schönheiten, die das Leben in seiner Entwicklungsoffenheit bietet.

Ronald Lutz


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updated 04.09.2006